Dienstag, 8. Mai 2018

acht Generationen erzählen


Acht Generationen erzählen


                     Aus der Geschichte der Grenzfamilie Haben
    von Josef Haben 18. Juli 1938
                                                                                                         
Die Vorfahren der Haben kommen aus Urexweiler, einer Ortschaft des ehemaligen Oberamtes Ottweiler, nach Mitlosheim, Kreis Wadern siedelten sich hier auf ein Jahrhundert an, um dann ihren Weg fortzusetzen nach Amerika, Karthaus usw.
Der Kalender schreibt das Jahr 1680. In Urexweiler, das durch die Brandfackel der Kriege Ludwigs XIV. wieder einmal dem Erdboden gleich gemacht wurde.  hier findet sich der erste Neusiedler ein. Er beginnt damit, die Liegenschaften seiner Väter und Mütter wieder urbar zu machen, um sie in blühende, fruchttragende Äcker zu verwandeln. Ihm folgen bald weitere Siedler aus der näheren und weiteren Umgebung. 1604 sind es vier, 1701 sind es schon 14 Haushaltsvorstände, einer davon ist:
Hans Jacob Haben
Der Urahn, der über Südwestdeutschland weit verzweigten Sippe der Haben. Er scheint zugewandert zu sein, da der Name Haben in keiner älteren Liste des Oberamtes Ottweiler zu finden ist.
Das Haushaltungsbuch von 1707 nennt ihn Jacob Haffen und gibt die Zahl der Familienmitglieder über 12 mit 5 und die unter 12 mit 4 an. Die Familie ist, wie die übrigen Dorfinsassen in jener Zeit katholisch. Da die von den Kriegen zerstörte Kirche noch nicht wieder aufgebaut ist, müssen die Gläubigen, wenn sie an Sonn- und Feiertagen den  beschwerlichen, oft durch herab hängende Zweige Weg nach Ottweiler auf sich nehmen. Die Lebensbedürfnisse der Dörfler sind denkbar einfach. Doch müssen sie das zum würzen der Speisen benötigte Salz für 10 Taler bein Oberamt Ottweiler holen.
2. Die bäuerliche Wirtschaft übernimmt der um 1690 geborene Sohn Hans Peter Haben. Der ehrenwerte Jungmann ist im Mai 1721 kirchlich getraut worden mit der ehrenwerten Jungfrau Katharina Juchems (Jochem) aus Hettigweiler. Das schliesst aber nicht aus, dass er 1730 noch, nachdem die Fürstin und Landesregentin zur Aufnahme und Consetation sämtlicher Untertanen der Herrschaft Ottweiler den vierten Tei an Frongeld erlassen hatte, 5 Gulden und 5 Alben jährlich aufbringen muss.
1741 besitzt Hans Peter Haben ein Haus und 4 Pferde. Sein Vermögen ist mittelmässig. Schulden hat er insgesamt 50 Gulden.
Hans Peter Haben und seine Frau Katharina tragen durch eine zahlreiche, gesunde Nachkommenschaft am Bevolkerungspolitischen bei. Sie schenken dem Staate 13 lebendige Kinder. Eine kurze kaum lesbar geschriebene Notiz  in dem Kirchenbuch der katholischen Pfarrei sagt man, dass Hans Peter Haben am 8. Juni 1762 verstorben ist und nach katholischen Ritus begraben ist.
3. Bei dem Tode des Hans Peter Haben sind bereits die drei ältesten Söhre und eine Tochter verheiratet. Ihre Nachkommen wohnen heute versteut in den Dörfern um Urexweiler. Ein grosserTeil von ihnen übt den Beruf des Bergmannes aus. Der am 24. Juni 1905 verstorbene Pfarrer Johannes Nikolaus Haben aus Tholen ist der Urenkel des drittältesten Sohnes von Hans Peter mit Namen Johannes Andreas Haben.
Das zehnte Kind des Hans Peter Haben geboren 2. Juli 1739 Jacobus Haben hat sein Glück in Amerika gesucht und wohl auch gefunden. Er soll im Jahre 1777 den Vereinigten Staaten von Nordamerika nur die „kleine Summe von 450.000 Dollar“ geliehen haben. Wie eine Ironie des Schicksals mutet es einen an, wenn man erfährt, dass sich der jüngste Bruder des „Millionenonkels“ In Nordamerika, nähmlich Michael Haben, geboren am 18.Juli 1745 in Orweiler zur selben Zeit (1776-77) als Arbeiter in Mitlosheim niederlässt. Seine Ehefrau Katharine Hoff entstammt der in der Losheimer Gegend ansässigen Sippe Hoff.
Die Vermögensverhältnisse des Arbeiters Michael Haben gegen Ende des 18.ten Jahrhunderts sind zur Zeit urkundlich nicht erforscht. Sie scheinen jedoch nicht schwer zu erraten in einer Zeit, in der sich die Einwohnerzahl, des kleinen, noch von vielen Wäldern umgebenen kleinen Ackerbaudörfchens Mitlosheim in zwei Jahrzehnten fast verdoppelt hat. 1787 hat Mitlosheim 133, 1809 schon 219 Einwohner.
4. Der Sohn von Michael Haben, geb. 12 Dezember 1977 zu Mitlosheim erhält bei der Taufe   in der Pfarrkirche Mitlosheim den Namen seines Urgrossvaters Johann Jacob Haben.
Dem noch nicht sechs Jahre alten Jungen starben am 17. Januar 1783 und fünf Jahre später am 3. Februar 1787 die Mutter weg.
Der elternlose vom Schicksal so hart getroffene   Knabe ist noch zu jung, um die schwere dieses Verlustes  zu verstehen.Er besucht mit anderen Jungen die Winterschule in Mitlosheim, eine Volksschule gibt es um diese Zeit noch nicht, um vielleicht seinen Namen schreiben, vielleicht ein wenig rechnen und mehr zu lernen. Dem Knabenalter entwachsen verdient sich Johann Jacob Haben sein Lebensunterhalt im Tagelohn.
Keiner seiner Nachkommen, welche Stellung er sich auf der Tribüne des Lebens erkämpft hat braucht sich zu schämen, wenn er auf dem Heiratsschein seines Urgrossonkels den Beruf eines Tagelöhners angegeben
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Jacob Haben heiratet am 1. Februar 1810 standesamtlich und kirchlich in Weisskirchen Barabara Weber geboren 1. 12. 1783 in Niederlosheim. Ihre Lebensaufgabe sehen sie im Erwerb eines eigenen, wenn auch kleinen bäuerlichen  Anwesens.
Der Jacob Haben schloss am 19. Juli1850 nach einem sehr arbeitsreichen Leben für immer das Licht der Welt. Seine Söhne Matthias Haben geb. 1812 und Johannes Haben geb. 12.November 1818 haben in ihrer Jugend das Glück, die erste 1822 gegründete  Volkschule in Mitlosheim besuchen zu dürfen.
Leider sind die Schulakte der kleinen Hochwalddörfer aus dieser Zeit noch recht wenig erschlossen, weshalb es an dieser Stelle nicht möglich ist, etwas über die Beteiligung der Jungen am Unterricht und am Erfolg des Schulbesuchs auszusprechen. Wie dem auch sei, Matthias Haben wird von der um 1840 in Mitlosheim  aufkommenden Auswandererbewegung mitgerissen. Er wandert 1843 mit seinen Angehörigen sechs an der Zahl aus nach Nordamerika. Über sein und das seiner Nachkommen Schicksal in der neuen Welt  ist den in  Mitlosheim zurückgebliebenen Verwandten nichts mehr bekannt geworden.
Der Ackerer Haben Johannes vermählt sich am 29. November 1841  mit der um 3 Jahre älteren Catharina Lauer geb. 25. Oktober 1815 in Mitlosheim. Die zur Gründung seiner selbstständigen Familie gelangten Kinder aus dieser Ehe sind
1.     Hans Peter Haben,vermählt mit einer Hansen aus Büschfeld
2.     Johann Haben, vermählt mit Margaretha Langenfeld
3.     Anna Haben, vermählt mit Lehrer Gehard Heinen
4.     Michel Haben, vermählt mitGertrud Konker aus Mitlosheim
5.     Matthias Haben, vermählt mit Catharina Ursula Breith aus Mitlosheim
Wohl in Anlehnung an das Elternhaus der Jungfrau Maria Catharina Hoff hat sich in Mitlosheim für die Mitglieder der Familie
Hat sich der Dorfname Huff Huff Hanspitt, Huff Mätz usw herausgebildet.         Haben Matthias ist der Grossvaterdes Schreibers dieser Zeilen. Das Glück der am 21. Juli 1870 in Weiskirchen geschlossene Ehe Matthias Haben ist nicht von allzulanger Dauer. Seine Ehefrau Catharina, geb. Breith stirbt am 22. April 1882 in Mitlosheim im Alter von 33 Jahren an einer Lungenentzündung. Sie hat nach ihrem Tode ihrem Gatten folgende Kinder hinterlassen:
Matthias Josef Haben 9 Jahre alt
Katharina Ursula Haben 6 Jahre alt
Barbara Haben 3 Jahre alt
Der Nachlass aus dieser Ehe der einen guten Einblick in das Hab und Gut der kleinen Hochwaldbauern gegen Ende des 20. Jahrhunderts bleibt einer besonderen Arbeit vorbehalten.


Matthias Haben geht eine zweite Ehe ein mit Maria Marr. Von seinem ältesten Bruder Hanspitt, der nach Büschfeld verheiratet ist, kauft er sich eine Wiese als Baugrundststück und baut sich in den Jahren 1898/99 noch vor dem Bau der Kleinbahn Merzig-Büschfeld die Wirtschaft (Wirtshaus) AM Bahnhof in Büschfeld. Während Matthias Haben gest. 27. Juli 1927, den Weltkrieg 1914/18 überlebt, sterben zwei seiner Söhne aus zweiter Ehe. Nähmlich der Lehrer August Haben und der Schlosser Peter Haben den Heldsentod an der Westfront für Volk und Vaterland. Ein dritter Sohn aus dieser Ehe ist der zur Zeit in Karthaus wirkende Lehrer Johann Haben.
Der einzige Sohn  Matthias Haben aus erster Ehe  ist  der am 20. Dezember 1973 zu Mitloshein geborene Matthias Josef Haben. Als ältestes Kind muss er in seiner Jugend in der Gastwirtschaft seiner Eltern tüchtig mithelfen. Er betreut das zur Gastwirtschaft zugehöhrige Fuhrgeschäft. Auf einem mit Pferden bespannten Wagen bringt er die am Bahnhof Büschfeld ausgeladene Ware auf die umliegenden Dörfer.  Seine Militärpflicht genügt Matthias Josef Haben bei dem 132 Infanterie Regiment in Strassburg. Der Weltkrieg zieht ihn auf die Schlachtfelder in Russland. Seine ihm am 15. Juli 1907 angetraute Ehefrau Catharina sucht während diesen bangen Jahren mit ihren Kindern Schutz im Elternhaus, dem Gasthaus Johann Adam Kuhn. Haben Matthias Josef, der im Jahre 1907/08 Geschäftsführer bei der Brauerei Zimmermann in Wadern war und der bei der Übernahme des Unternehmens durch die Aktienbrauerei Merzig, der letzteren eingetreten ist, kehr nach dem Weltkriege in seine letzte Stellung zurück. Die Kinder des Matthias Josef Haben sind:

1.     Hans Haben vermählt mit Hedwig Michel aus Neunkirchen
2.     Josef Haben, vermählt mit Maria Konz aus Merzig
3.     Katharina Haben, Krankenschwester aus Elberfeld Bannen
4.     Maria Haben, gestorben am 21. Juni 1920
5.     Paul Haben, die blondgelockten Kinder von Hans Haben Eckard, Siegfried und Gunhilde sind die letzten Glieder einer langen unbekannten Kette

Der Familienname tritt urkundlich zuerst 1701 in der Form Haben auf. Bis 1800  ist die Schreibweise oft unter den eigenen Geschwistern sehr verschieden. So finden sich die Formen: Haben, Haffen, Haven, Habig, Haaber, Haben. Die letzte Schreibweise ist von den Angehörigen der Sippe seit 1800 beibehalten worden.
Eine Deutung dieses Namens oder eine Ableitung von einem anderen Namen scheint bis heute noch nicht durch einen Germanisten erfolgt zu sein.

Quellenangabe:
1.     Ältestes Einwohnerverzeichnis des Oberamtes Ottweiler.
2.     Kirchenbücher der katholischen Pfarrämter Ottweiler, Losheim, Weiskirchen, Nunkirchen
3.     Standesamtsregister Losheim, Weiskirchen.
4.     Kell. Geschichte des Kreises Merzig.

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